Das eigene Tonstudio einrichten

Der Traum eines jeden Musikers ist es, zu Hause ein eigenes Tonstudio zu besitzen, mit dem man zu jeder Zeit arbeiten kann und das für möglichst kleines Geld. In diesem Tutorial zeigen wir dir, wie du mit wenig Geld und Aufwand ein komplettes Tonstudio bei dir zu Hause einrichtest, mit dem du nicht nur Gesang oder Musik aufnehmen kannst, sondern auch gesprochenen Text für beispielsweise YouTube-Videos, Video-Chats oder Podcasts.

Schritt 1: Das nötige Equipment

Aufnehmen mit dem MikrofonZunächst machen wir uns Gedanken darüber, welches Equipment wir überhaupt für unser eigenes kleines Tonstudio zu Hause benötigen. Das fängt natürlich mit dem idealen Kondensatormikrofon an: Für professionelle Aufnahmen sind Großmembran-Kondensatormikrofone zu empfehlen, wie zum Beispiel das Rode NT1-KIT oder das Audio Technica AT2050, wobei auch die jeweils günstigeren Modelle hervorragende Qualität liefern. Diese Mikrofone können bequem auf Amazon gekauft werden, wobei die Versorgungslage bei Audio Technica Mikrofonen oft mangelhaft ist.

Wenn speziell leiste Instrumente wie Akustik-Gitarre oder Klavier aufgenommen werden sollen, ist ein Kleinmembran-Kondensatormikrofon oft die bessere Wahl, allerdings eignet sich diese Mikrofonart eher nicht für Gesangs- oder Sprachaufnahmen. Wenn Schlagzeug oder laute Blasinstrumente abgenommen werden sollen, kann auch ein dynamisches Mikrofon verwendet werden – dies ist allerdings eher unüblich und ein Kondensatormikrofon mit großer Membran wäre hier ebenfalls eine gute Lösung, um die Qualität der Aufnahmen auf einem hohen Niveau zu halten.

Ein USB Mikrofon würde sich zwar theoretisch auch eignen, die Qualität und die Einstellmöglichkeiten beim Aufnehmen sind dabei jedoch so gering, dass dies für hochwertige Aufnahmen eher nicht zu empfehlen ist. Um mit einem XLR-Kondensatormikrofon dann an einem Computer aufnehmen zu können, wird noch ein USB Audio Interface benötigt, das über eine Phantomspeisung verfügt. Hier sollte nicht das günstigste Gerät im Vergleich gekauft werden, da es qualitativ große Unterschiede gibt – vielmehr sollte nach unserem Test ein Modell über 100 € gekauft werden, das alle Anforderungen erfüllt und die Aufnahmequalität des Mikrofons verbessert.

Schritt 2: Der Aufnahmeraum

Aufnahmeraum im TonstudioDer Raum zum Aufnehmen sollte natürlich optimal gedämmt sein, damit weder Geräusche von außerhalb des Raumes in die Aufnahme mit einfließen (zum Beispiel vorbeifahrende Autos, das Bellen von Hunden, etc.), noch der Schall im Raum zu stark herumgeworfen wird, was wiederum zu Verfälschungen führen kann. Am besten ist es natürlich, den kompletten Raum mit Schallschaumstoff zu verkleiden, was jedoch oft nicht in Frage kommt, denn: Schallschaumstoff ist teuer und das Studio soll zu Hause eingerichtet werden – wer kann schon einfach mal so einen kompletten Raum nur für das Studio aufwenden?

Die zweitbeste Methode stellt hier eine Aufnahmekabine dar. Dabei ist der Platz, an dem der Sänger mit dem Mikrofon steht nicht komplett vom Rest des Raumes getrennt, aber durch eine große Wand, die dann ihrerseits mit Schallschaumstoff verkleidet ist, abgeschirmt. Wenn auch diese Option nicht in Frage kommt, dann tut es für den Anfang auch ein Reflexionsfilter. Das is ein mit Schallschaumstoff verkleideter Schirm, der direkt hinter dem Mikrofon am Mikrofonständer und kabellose Lautsprecher angebracht wird und somit die Auswirkungen von Echos oder Hall minimiert.

Schritt 3: Aufnahme Programm und Software

Aufnahme Programm und Recording SoftwareDie Aufnahmesoftware (auch DAW – Digital Audio Workstation) spielt auch eine wichtige Rolle bei der Einrichtung des eigenen Studios. Hier kommt es unter anderem auf die Abtastrate des Programmes an, also wie oft der Status des Interfaces vom Programm erfragt wird und neue Aufnahmen geholt werden. Neben dem Aufnehmen und Schneiden der eigenen Aufnahmen ist oft auch das Bearbeiten oder Hinzufügen von weiteren Spuren eine Hauptaufgabe der Recording Software. Ein Sequenzer ist hier die richtige Wahl und es gibt viele Programme für alle Betriebssysteme, die gute Dienste verrichten.

Oft liegen dem Kondensator-Mikrofon oder dem Audio Interface bereits CDs mit eigenen Programmen der Hersteller bei. Diese Tools sind zwar für den Anfang mehr als ausreichend, wer aber professionell aufnehmen möchte und hohe Erwartungen an die Qualität der Recordings stellt, sollte möglichst bald auf eine Profi-Software upgraden. Hier gibt es zum einen Software von bekannten Herstellern wie Fruity Loops oder Adobe Audition, zum anderen bieten auch spezielle Musikfirmen Software zur Aufnahme am PC an, wie zum Beispiel Steinberg oder Presonus.

Auch kostenlose Tools wie Audacity für Windows oder Garage Band für Mac eignen sich durchaus für den Einstieg und für erste Aufnahmen mit dem Mikrofon-Equipment im eigenen Home Studio. Diese Programme stoßen gerade bei professionellen Sessions mit vielen Spuren und zahlreichen Effekten aber an ihre Grenzen, sodass über kurz oder lang auf jeden Fall auf eine Spezial-Software aufgerüstet werden sollte. Die Hardware-Anforderungen hierfür sind nicht besonders hoch, selbst Laptops kommen heute in der Regel hervorragend mit dieser Art von Software zurecht.

Schritt 4: Die Aufnahmen optimieren

Equipment für bessere AufnahmenJetzt können bereits gute Aufnahmen angefertigt werden, allerdings lässt sich die Qualität dieser noch durch einige Schritte erheblich steigern. So sollte zum Beispiel das Zubehör zum Mikrofon erweitert werden: Eine Mikrofonspinne sorgt dafür, dass das Mikro nicht direkt am Mikrofonständer angebracht ist und nicht jede Erschütterung sofort die Aufnahmen beeinflusst; ein Popfilter führt dazu, dass Poplaute beim Singen oder beim Sprechen nicht direkt aufgenommen werden und ein angenehmeres Klangbild erzeugt wird.

Für lange Aufnahme-Sessions ist es zudem zu empfehlen, das Mikrofon von oben nach unten zu hängen, sodass der Mikrofonkorb in Richtung Boden zeigt. Dies hat den Vorteil, dass die Wärme, die in der Kondensatorkapsel entsteht, nicht durch den Korb und damit durch die Membran entweicht und damit die Aufnahmen verfälscht, sondern durch den Mikrofonkörper entweichen und somit die Aufnahmen unberührt lassen. So kann die Aufnahmequalität durch wenige Kniffe auf ein komplett neues Niveau angehoben werden.