Kondensatormikrofon

Ein Kondensatormikrofon ist eine Kategorie an Mikrofonen, die sich durch eine spezielle Bauweise auszeichnet. Im Gegensatz zu dynamischen Mikrofonen, die in der Regel nach Tauchspulen-Bauweise konstruiert werden, setzen Kondensatormikrofone auf die Kapazitätsänderung zwischen zwei Kondensatorplatten im Mikrofonkorb, die mit Hilfe einer Vorspannung elektrisch aufgeladen werden. Diese Spannung nennt man Phantomspeisung.

Wie funktioniert ein Kondensatormikrofon?

Kondensatormikrofon

Kondensator Mikrofon

Ein Kondensatormikrofon arbeitet mit einer Membran und einer elektrisch vorgeladenen Gegenelektrode. Dabei basiert diese Funktionsweise auf dem gleichen Prinzip wie bei einem dynamischen Mikrofon, nämlich die Umwandlung von Schall in Form von Luftschwingungen zu elektronischen Signalen, die über ein Kabel an ein Aufnahmegerät weitergegeben werden können.

Dabei hängt die nur wenige Mikrometer dünne Membran des Mikrofons am Anfang des Aufbaus, dahinter folgt die unter Spannung stehende Gegenelektrode in Form einer gelochten Metallplatte. Treffen Schallwellen mit ihrem Luftdruck nun auf die Membran, beginnt diese zu schwingen und der Abstand zwischen Membran und Gegenelektrode verändert sich, was auch die Kapazität der Kondensatorplatten verändert. Diese Kapazitätsänderungen werden gemessen und dann in elektrische Signale umgewandelt.

Die Kapazitätsänderung zwischen zwei Kondensatorplatten zu messen ist eine sehr genau Möglichkeit zur Aufzeichnung von Schallwellen, wobei diese Funktionsweise eines Mikrofons einen großen Nachteil mit sich bringt: Kondensatormikrofone sind sehr empfindlich gegenüber Luftfeuchtigkeit, Beschädigungen oder Einwirkungen von Außen. Aus diesem Grund werden für Live-Auftritte in der Regel dynamische Mikros genutzt – auch wenn es durchaus Kondensatormikrofone für die Bühne gibt.

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Aufbau und Membran-Größe

Großmembran-Kondensatormikrofon

Kondensatormikrofon von Neumann

Wie jedes Mikrofon bildet die Membrankapsel das Herzstück des Geräts. Innerhalb der Kondensatormikrofone gibt es verschieden große Membranen, wobei ein Mikro erst dann offiziell ein Großmembran-Mikrofon ist, wenn der Kapseldurchmesser mindestens 1 Zoll ist, also genau oder mehr als 2,54 cm. Zu Marketing-Zwecken werden auch Mikrofone mit geringerem Membrandurchmesser als Großmembran-Kondensatormikrofone verkauft – dies ist jedoch falsch und sagt absolut nichts über die Qualität des Produkts aus.

Ob man sich nun für ein Großmembran-Kondensatormikrofon oder für eines mit einer kleineren Membran entscheidet hängt ganz davon ab, für welche Einsatzzwecke das Mikro gebraucht wird. Für Gesangsaufnahmen, das Recorden von Stimmen oder für das Abnehmen akustischer Instrumente im Studio sind große Membranen sehr gut geeignet. Wenn sehr leise Schallquellen aufgenommen werden sollen und in erster Linie in professionell gedämmten Aufnahmeumgebungen recordet wird, kann auch ein kleinerer Membrandurchmesser vorteilhaft sein.

Prinzipiell lässt sich als Entscheidungshilfe sagen: Ein Großmembran-Kondensatormikrofon verfügt über einen breiten Frequenzgang, seidigen Klang und eine leichte Anhebung im Bereich von ca. 10 kHz. Kleinmembranmikrofone sind wesentlich empfindlicher als Mikros mit großer Membran, verfügen über brillantere Höhen und können auch leise Schallquellen sehr gut aufnehmen. Der Nahbesprechungseffekt ist bei Großmembran-Mikrofonen in der Regel etwas ausgeprägter.

Eignung und Betrieb

Kondensatormikrofone sind auf Grund ihrer speziellen Bauform relativ anfällig für äußere Einflüsse wie Hintergrundgeräusche oder Stöße auf die Membrankapsel. Diese Eigenschaften machen Mikros mit Kondensatortechnik ungeeignet für Bühnenauftritte oder Live-Shows – viel eher sind sie auf Grund des breiten Frequenzgangs und der seidigen Aufnahmen für (semi)-professionelle Aufnahmen im Studio oder im eigenen Home Office geeignet. Hier kann ein Kondensatormikrofon seine Stärken voll ausspielen.

Weil Kondensatormikrofone eine Vorspannung benötigen, um die Kondensatorplatten aufladen zu können, muss bei Mikros mit XLR-Anschluss (bei USB-Kondensatormikrofonen ist dieser Punkt hinfällig) ein Audio Interface angeschlossen werden, das eine Phantomspeisung liefert. In der Regel liegt die benötigte Spannung bei 48 V, was auch von den meisten Interfaces geliefert wird. Bei Audio Interfaces ohne Phantomspeisung oder mit zu geringer Spannung bleibt das Mikrofon einfach leise.

Richt-Charakteristiken bei Kondensator-Mikros

Kondensatormikrofon Nierencharakteristik

Symbol für Nierencharakteristik

Die Richtcharakteristik gibt an, aus welcher Richtung das Mikrofon bevorzugt Schallwellen aufnimmt. Dabei gibt es verschiedene Charakteristiken, die sowohl bei Kondensatormikrofonen, als auch bei dynamischen Mikros Verwendung finden:

  • Nierencharakteristik
  • Supernieren-Charakteristik
  • Kugel-Charakteristik
  • Breite Nierencharakteristik
  • und weitere…

Für die meisten Aufnahmen im Studio oder für zu Hause ist eine Nierencharakteristik die beste Lösung, denn so werden größtenteils nur Aufnahmen von direkt vor dem Mikrofon aufgenommen und das Gerät bleibt trotzdem relativ sicher vor Rückkopplung. Supernieren-Charakteristiken werden bei Röhrenmikrofonen oft eingesetzt, Kugel-Charakteristika sind heute hingegen kaum noch zu finden, da hier Schall von allen Richtungen aufgenommen wird und somit leicht unerwünschte Nebengeräusche mit aufgenommen werden.

Tipps zum Kondensatormikrofon kaufen

USB Audio Interface

Audio Interface mit Mischpult

Wenn du ein Kondensatormikrofon kaufen möchtest, solltest du unbedingt darauf achten, dass der Membrandurchmesser für deine Ansprüche die perfekte Leistung liefert. In der Regel dienen Kondensator-Mikros zur Aufnahme von Sprache (z.B. für Podcasts oder für YouTube), Musik oder Gesang in einem (semi-professionellen) Studio oder im Home Office. Hierfür sind Großmembran-Kondensatormikrofone sehr gut geeignet – am besten ist es jedoch, du testest vorher verschiedene Modele selbst oder schaust bei unserem Mikrofon Test vorbei.

Wichtig ist, dass du auch ein Audio Interface wählst, dass über eine Phantomspeisung verfügt, damit du dein Kondensatormikrofon überhaupt betreiben kannst. Wenn die Aufnahmen mit einem Computer recordet werden sollen, muss ein USB-Anschluss oder eine vergleichbare Möglichkeit zum Anschließen des Interfaces an den Rechner gegeben sein. Für einfache Aufnahmen ohne hohe Qualitätsansprüche genügen auch USB-Kondensatormikrofone – diese haben jedoch nur begrenzte Möglichkeiten zur Qualitätssteigerung und der Sound ist bei weitem nicht so klar wie bei herkömmlichen Mikros mit XLR-Anschluss. Ein Mikrofon Vergleich lohnt sich vorab immer.

Hersteller von Kondensator-Mikrofonen

Das Kondensatormikrofon entwickelte sich ursprünglich aus anderen Mikrofonarten und stellt heute zusammen mit dynamischen Mikrofonen die weltweit am häufigsten genutzte Mikrofon-Art überhaupt dar. Dabei ging die Erfindung des Mikrofons Hand in Hand mit der Erfindung des Telefons, da auch hier Schallwellen mit Hilfe einer Membran und anderer technischer Mittel in elektronische Signale umgewandelt wurden. Perfektioniert wurde das Kondensatormikrofon erstmals von Georg Neumann mit der sogenannten „Neumann-Flasche“, die sogar über umschaltbare Richtcharakteristiken verfügte.

Im Laufe der Zeit wurde die Qualität von Kondensatormikrofonen durch die Verwendung neuer Materialien und verbesserter Verarbeitungsqualität erheblich gesteigert. Die größten und bekanntesten Hersteller für Mikrofone nach Kondensator-Bauweise sind heute Neumann, Rode und Audio Technica. Gerade Rode profiliert sich durch ein sehr starkes Preis/Leistungs-Verhältnis, wobei alle Mikrofone immer noch in Australien gefertigt werden und von hoher Qualität geprägt sind.

Die Aufnahmen optimieren

Aufnahmen mit einem Kondensatormikrofon werden in der Regel bereits sehr gut, denn moderne Mikros nach dieser Bauweise um eine Preisspanne von etwa 100 – 400 Euro liefern hervorragenden Sound. Dennoch kann vor allem die Aufnahmeumgebung oder das direkte Setting des Equipments die Aufnahmen positiv oder negativ beeinflussen, weshalb in jedem Falle auf eine Optimierung der Aufnahmeleistungen geachtet werden sollte.

Mikrofon mit Spinne und Popschutz

Mikrofon Zubehör am Mikrofonständer

Für den Anfang ist eine Spinne und ein Popschutz enorm wichtig. Die Spinne sorgt dafür, dass das Mikrofon nicht direkt im Mikrofonständer verschraubt ist, sondern elastisch gelagert zwischen Gummibändern frei schwingen kann – Stöße gegen den Mikrofonständer werden damit nicht an das Mikro selbst weitergegeben und beeinflussen damit auch nicht die Qualität der Aufnahmen negativ.

Ein Popschutz hilft dabei, Poplaute beim Singen oder Sprechen zu vermeiden. Vielen Modellen liegen bereits eigene Popfilter bei, ansonsten können diese zu jeder beliebigen Anschlussform nachgekauft werden. Des weiteren sollte das Mikrofon mit dem Mikrofonkorb nach unten aufgehängt werden, denn die Vorspannung der Kondensatorplatten erzeugt Wärme, die nach oben steigt. Wenn das Mikrofon kopf-über hängt, passiert diese Wärme nicht die Membran und verändert damit auch nicht die Aufnahmen.

Ein großes Problem gerade im Home Office oder in nicht professionell gedämmten Aufnahmeräumen sind Hintergrundgeräusche und Echos, die vom Mikro mit aufgenommen werden. Hier sollte ein Reflexionsfilter hinter dem Mikrofon angebracht werden. Dieser besteht aus speziellem Schallschaumstoff und verhindert, dass unerwünschte Geräusche den Weg in die Membran des Kondensatormikrofons finden.